Wasserwirtschaft in NRW bietet Mehrwert für Mensch und Natur - Die nordrhein-westfälischen Wasserwirtschaftsverbände setzen den gemeinsamen Dialog mit Umweltministerin Ursula Heinen-Esser fort

Aachen, den 28.10.2019:

Im „Maschinenraum“ der Ozonungsanlage der Kläranlage Aachen-Soers erläutern Frau Ira Brückner und Dr. Joachim Reichert vom Wasserverband Eifel-Rur Frau Ministerin Heinen-Esser das Verfahren der Ozonung zur Reduzierung von Spurenstoffen im Abwasser.

Die Kulisse der Kläranlage passt gut zur Fortsetzung des gemeinsamen Dialogs der in der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwirtschaftsverbände in Nordrhein-Westfalen zusammengeschlossenen öffentlich-rechtlichen Wasserwirtschaftsverbände mit Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser. Diesmal wurden die Themen Trockenheit und Klimaanpassungsstrategien, die Reduzierung von Spurenstoffen aus dem Abwasser sowie die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in NRW erörtert.

Ministerin Ursula Heinen-Esser lobt die ernsthafte Auseinandersetzung der Wasserwirtschaftsverbände mit den vielfältigen Themen des Gewässerschutzes und der Wasserwirtschaft, dadurch bleibt die diese auf einem sehr hohen Niveau und behält sich die Dynamik für neue Herausforderungen.

„Mit einer ganzheitlichen Sichtweise und im Dialog mit den Akteuren können die Herausforderungen entschieden angegangen werden. Der eingeschlagene Weg für die Erreichung des guten ökologischen und chemischen Zustands und damit der Erhalt „lebendiger Gewässer“ soll auch zukünftig in NRW fortgesetzt werden. Für die Fortführung der WRRL werde ich mich einsetzen“,

betont die Ministerin.

Die Akteure in NRW haben seit vielen Jahren die Spurenstoffe auf der Agenda, zahlreiche Forschungsprojekte sind mit Unterstützung des Ministeriums bei den Wasserverbänden und den Kommunen durchgeführt worden. Es wird festgehalten, dass die Ergebnisse des Spurenstoffdialogs des Bundes in die richtige Richtung weisen. Jetzt geht es darum, im gemeinsamen Austausch eine Präzisierung der „begründeten Fälle“ für den Ausbau von Kläranlagen zu führen sowie die Herstellerverantwortung nicht aus dem Blick zu lassen. 

„Die Verbände benötigen vor allem Planungssicherheit bei der Umsetzung der anstehenden Herausforderungen“, sagt Karl-Heinz Brandt, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwirtschaftsverbände in NRW e.V. (agw) und zugleich Vorstand der LINEG.

Auch in der Wasserwirtschaft ist der Fachkräftemangel ein zunehmendes Problem. Der gemeinsam mit dem Umweltministerium und anderen Akteuren eingeschlagene Weg der Fachkräfteinitiative stellt einen richtigen Schritt hin zu einer zukunftssicheren Wasserwirtschaft dar. „Wir müssen junge Menschen für eine Ausbildung in der Wasserwirtschaft interessieren und die Verbände in der Region als attraktiven Arbeitgeber positionieren“ appelliert Herr Brandt.

Die Wasserwirtschaftsverbände freuen sich, dass Umweltministerin Ursula Heinen-Esser der Einladung der agw gefolgt ist. Die gemeinsame Diskussion mit der Ministerin soll auch in Zukunft fortgeführt werden.

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EU-Kommission veröffentlicht Strategie zum Umgang mit Arzneimitteln in der Umwelt

Bergheim, den 19.07.2019: 

Die EU-Kommission hat die Mitteilung „Strategischer Ansatz der Europäischen Union für Arzneimittel in der Umwelt“ veröffentlicht. Damit kommt sie mit deutlicher Verspätung der rechtlichen Verpflichtung des letzten Novellierungsprozesses der Liste der Prioritären Stoffe aus dem Jahr 2013 nach.

Ziel des Strategischen Ansatzes, so führt die EU-Kommission aus, ist:
• die Ermittlung von Maßnahmen, um den potenziellen Risiken von Arzneimittelrückständen in der Umwelt zu begegnen, nicht zuletzt als Beitrag zu den Maßnahmen der Union zur Bekämpfung der antimikrobiellen Resistenz
• die Förderung von Innovation, wo sie zur Bewältigung der Risiken beitragen kann, und die Förderung der Kreislaufwirtschaft durch Vereinfachung des Recyclings von Rohstoffen wie Wasser, Klärschlamm und Dung
• sowie die Ermittlung verbleibender Wissenslücken und das Aufzeigen möglicher Lösungen, um sie zu schließen sowie die Gewährleistung, dass die Maßnahmen zur Risikobewältigung den Zugang zu einer sicheren und wirksamen Behandlung mit Arzneimitteln von Mensch und Tier nicht gefährden.

Die Kommission verweist im Zusammenhang mit Diskussionen um eine 4. Reinigungsstufe darauf, dass

„(…) Die Fähigkeit der Abwasserreinigung, Arzneimittelrückstände zu beseitigen, variiert je nach Substanz und Reinigungsstufe; in manchen Fällen werden erhebliche Mengen entfernt, in anderen nur ein kleiner Prozentsatz, jedoch sind derzeit selbst die besten und teuersten Reinigungsmethoden nicht zu 100 % wirksam.“

Die EU-Kommission hat tatsächlich einen ganzheitlichen Ansatz gewählt, das ist positiv hervorzuheben. Bei den verschiedenen Eintragspfaden (Kommunale KA, Gülle, Aquakulturen, Abwasser aus Produktionsanlagen, landwirtschaftliche Klärschlammverwertung, Weidevieh) werden Gärreste aus Biogasanlagen allerdings ausgeklammert. Wissenslücken existieren aus Sicht der EU bei der Überwachung von Arzneimitteln in der Umwelt,  die Überwachung von Hotspots (z.B. KKH) und bei der Kenntnis von Mischungstoxizitäten. Die Pharmaindustrie ist aufgerufen, die Informationen der erfolgten UVP zur Verbesserung einer zügigeren Ableitung geeigneter Risikomanagementmaßnahmen vollständig zur Verfügung zu stellen.
Konkrete Maßnahmen werden zu einem späteren Zeitpunkt von der neuen Kommission formuliert werden. Dazu führt das Dokument aus, dass die „Maßnahmen zum Zwecke ihrer Wirksamkeit und zur gleichmäßigen Verteilung der Anstrengungen nicht nur Kontrollen am Leitungsende (z. B. verbesserte Abwasserreinigung) beinhalten (sollen), sondern auch die ursprünglichen Emissionsquellen (z. B. Herstellung und Verwendung) anvisieren und sowohl die terrestrische als auch die aquatische Umwelt berücksichtigen (sollte).“

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